Braunerde auf der Wegscheide

 

Als Braunerde wird ein Boden bezeichnet, in dem durch Verwitterungsprozesse Tonminerale und Eisenoxide gebildet wurden, die dem Boden seine typisch braune Farbe verleihen.

 

Auf der Wegscheide sind die Böden unter Wald ganzjährig mit humosem Material bedeckt. Am Standort findet sich eine Humusauflage bestehend aus drei Schichten. Einer Streuauflage vorwiegend aus Laub (L) folgt eine Lage fermentierter Pflanzenreste (Of) und anschließend eine Lage organischer Feinsubstanz (Oh).

 

Der humose Oberboden ist nur wenige Zentimeter mächtig. Eine beginnende Versauerung führt zu einsetzender Humus- und Mineralauswaschung und zeigt sich in einer leichten Bleichung des Horizontes (Aeh).

 

Der für die Braunerde charakteristische Unterboden entsteht durch Gesteinsverwitterung und Mineralneubildung. Er gliedert sich hier in zwei Bereiche. Dem unverkennbaren, verbraunten Unterboden (Bv) folgt ein sogenannter „Übergangshorizont“. Dieser Bereich des Unterbodens (Sw-Bv) ist von Stauwasser beeinflusst und lässt erste Bleichflecken erkennen, die auf eine Bodenentwicklung zum Pseudogley hinweisen.

Den Untergrund bildet lehmiges, verwittertes Buntsandsteinmaterial, das aufgrund seiner Konsistenz wasserstauend wirkt. Dieser Stauhorizont (II Sd-Cv) ist durch eine rötlich-weiße Marmorierung geprägt, in der die steinigen Bestandteile noch gut zu erkennen sind.

 

Entwicklung:
Die Braunerden im Spessart sind auf dem silikatreichen und kalkarmen Gestein des Buntsandsteins entstanden. Für ihre Entwicklung war das vor etwa 2 Millionen Jahren beginnende Eiszeitalter (Pleistozän) von wesentlicher Bedeutung. In den jeweiligen Kaltzeiten war der Boden die längste Zeit im Jahr tiefgründig gefroren und taute nur in den kurzen Sommern an der Oberfläche auf. Der dauernde Wechsel zwischen Gefrieren und Auftauen führte zur physikalischen Verwitterung (Frostsprengung) des anstehenden Buntsandsteinmaterials. Zeitgleich wurde feiner Staub (Löss) angeweht und während der Frostwechsel mit den obersten Bodenschichten vermischt. Dieses Gemisch war auf der Wegscheide das Ausgangsmaterial für die Entwicklung der Braunerde. Mit der jetzigen Warmzeit (Holozän) setzte eine überwiegend chemische Verwitterung ein, die zur Neubildung von Eisenoxiden und Tonmineralen im Boden führte. Das kennzeichnende Mineral ist ein Eisenoxid (Goethit), das sich fein verteilt im Unterboden (Bv-Horizonte) findet und mit seiner Farbe der Braunerde ihren Namen gibt.

 

Verbreitung:
Die Braunerde ist im gemäßigt-humiden Klima ein weit verbreiteter Bodentyp. Braunerden finden sich häufig auf kalkarmen und silikatreichen Ausgangsgesteinen. Das Spektrum der Ausgangsmaterialien reicht von Flugsanden bis zu Gesteinsschutt.

 

Potenziale:
Die Eigenschaften der Braunerden hängen stark vom jeweiligen Ausgangsmaterial ab. Die ackerbauliche Nutzung von Braunerden aus verwittertem Gestein mit groben Bestandteilen ist schwierig und die Erträge sind meist gering. So handelt es sich bei diesen Böden eher um Wald- oder Grünlandstandorte.

 

Gefährdung:
Die Braunerden im Spessart sind anfällig für Bodenversauerung. In dieser Region mit hohen Niederschlägen, niedrigen Jahresmitteltemperaturen und dem basenarmen Ausgangsgestein ist unter Wald häufig eine natürliche Versauerung im Oberboden erkennbar. Anthropogene Zusatzbelastungen, wie etwa diffuse Schadstoffeinträge durch die Luft, beschleunigen die Bodenversauerung und können die Standorteigenschaften langfristig verschlechtern.

 
 
Letzte Änderung: 10.10.2011