Braunerde in Bärstadt

© HLUG
Als Braunerde wird ein Boden bezeichnet, in dem durch Verwitterungsprozesse Tonminerale und Eisenoxide gebildet wurden, die dem Boden seine typisch braune Farbe verleihen.
An der Dreispitz zwischen Bärstadt und Hausen sind die Böden unter Wald ganzjährig mit humosem Material bedeckt. Am Standort findet sich eine ca. 4 - 5 cm mächtige Humusauflage bestehend aus zwei Horizonten: einer Streuauflage, vorwiegend aus dem letztjährigen Laub (L), folgt eine Lage schon fortgeschritten fermentierter Pflanzenreste (Of). Im anschließenden Oberboden findet sich ein Gemisch aus Humus und Mineralboden (Ah), ein Horizont mit typisch dunkler (humoser) Färbung. Er ist wenige Zentimeter mächtig und durch die wühlende Tätigkeit der Bodentiere entstanden. Darunter schließt eine noch dunkler gefärbte Zone an, die von einer intensiven Humusbildung zeugt und infolge des großen Nährstoffangebotes dicht durchwurzelt ist. Die Gesteinszusammensetzung der obersten 25 cm deutet darauf hin, dass der ursprüngliche Boden beim Bau der angrenzenden Straße mit Abraummaterial aufgeschüttet wurde.
Die die Braunerde bezeichnende Grundfärbung des Unterbodens ist deutlich sichtbar. Der verbraunte Unterboden (Bv) reicht bis etwa 70 cm Tiefe. Die Mächtigkeit schwankt wenig, und die Grenze zum Untergrund ist markant. Im Vergleich zum Untergrund sind nur wenige Steine erkennbar und das Bodenmaterial fühlt sich lehmig an.
Den Untergrund (II ilCv) bilden Bruchstücke aus Tonschiefer, dem anstehenden Gestein, gemischt mit lehmig verwittertem Gesteinszersatz, der sich tonig, schmierig anfühlt. Das ist auf eine sehr intensive chemische Gesteinsverwitterung zurückzuführen.
Entwicklung:
Die Bodenbildung im Taunus hat vor mehr als 65 Millionen Jahren (Tertiär) begonnen, als in Mitteleuropa tropenähnliches Klima vorherrschte. In dieser Zeit führten hohe Niederschläge und extreme Temperaturen zu intensiver Gesteinsverwitterung.
Für die Entwicklung der Braunerde war das vor etwa 2,6 Millionen Jahren beginnende Eiszeitalter (Pleistozän) von wesentlicher Bedeutung. In den jeweiligen Kaltzeiten war der Boden die längste Zeit im Jahr tief durchfrostet und taute nur in den kurzen Sommern an der Oberfläche auf. Die Frostwechsel führten zur Verwitterung des schiefrigen Gesteins. Zeitgleich wurde feiner Staub (Löss) angeweht und während der Temperaturwechsel mit den obersten Gesteinsschichten vermischt. In bestimmten Höhenlagen des Taunus, wie an der Dreispitz bei Bärstadt, wurden zusätzlich Aschen des letzten gewaltigen Vulkanausbruchs in Deutschland (12.800 vor heute), vom Laacher See in der Osteifel, eingeweht. Dieses Gemisch stellte das Ausgangsmaterial für die Entwicklung des heutigen Bodens dar.
Mit Beginn der jetzigen Warmzeit vor 10.000 Jahren (Holozän) setzte eine überwiegend chemische Verwitterung ein, die zur Neubildung von Eisenoxiden und Tonmineralen im Boden führte. Das kennzeichnende Mineral ist das Eisenoxid Goethit, das sich fein verteilt im Unterboden (Bv-Horizont) findet und mit seiner Farbe der Braunerde ihren Namen gibt.
Verbreitung:
Die Braunerde ist im gemäßigt-humiden Klima ein weit verbreiteter Bodentyp. Braunerden finden sich nahezu über allen Gesteinen. Das Spektrum der Ausgangsmaterialien reicht von Flugsanden bis zu Gesteinsschutt.
Potenziale:
Die Eigenschaften der Braunerde hängen stark vom jeweiligen Ausgangsgestein ab. Die Böden aus Gesteinsschutt und -zersatz mit geringen Lössanteilen sind in der Regel nährstoffarm und daher heute nur noch selten unter ackerbaulicher Nutzung. So handelt es sich bei diesen Böden eher um Wald- oder Grünlandstandorte.
Gefährdung:
Die Braunerden im bergigen Taunus wurden früher extensiv ackerbaulich oder durch Niederwaldbewirtschaftung genutzt und waren daher erosionsgefährdet. Zunehmende Waldausbreitung und Forstwirtschaft begrenzen die Bodengefährdung durch Erosion erheblich. Die Braunerde wird wegen ihrer eingeschränkten Nutzungsfähigkeit und weiten Verbreitung nicht hoch in Wert gesetzt. Gefahr droht diesen Böden besonders in Siedlungsnähe; hier werden sie vielfach überbaut, abgegraben oder aufgrund von Infrastrukturmaßnahmen versiegelt.
Startseite
