Braunerde in der Fasanerie Wiesbaden

Als Braunerde wird ein Boden bezeichnet, in dem durch Verwitterungsprozesse Tonminerale und Eisenoxide gebildet wurden, die dem Boden seine typisch braune Farbe verleihen.
In der Fasanerie Wiesbaden sind die Böden unter Wald ganzjährig mit humosem Material bedeckt. Am Standort findet sich eine ca. 5 cm mächtige Humusauflage bestehend aus drei Horizonten. Einer Streuauflage vorwiegend aus dem letztjährigen Laub (L) folgt eine Lage fortgeschritten fermentierter Pflanzenreste (Of) und anschließend eine Lage humoser Feinsubstanz (Oh). Auffallend ist die dichte Durchwurzelung infolge des Nährstoffangebotes der Humusauflage.
Der Oberboden besteht hier aus einem Gemisch von Humus und Lockergestein (Ah). Der Ah-Horizont ist durch die wühlende Tätigkeit der Bodentiere entstanden. Er ist nur wenige Zentimeter mächtig und zeigt sich in einer typisch dunklen, humosen Färbung.
Die für die Braunerde bezeichnende Grundfärbung des Unterbodens ist deutlich sichtbar. Der verbraunte Unterboden (Bv) reicht etwa 40 cm tief. Diese Mächtigkeit schwankt wenig, und die Grenze zum Untergrund ist markant. Den Untergrund (IIilCv) bildet lehmig verwitterter Gesteinszersatz aus Serizitgneis (Metarhyolit). Der hohe Tongehalt und die auffallend helle gelbliche Farbe belegen eine ausgeprägte, chemische Verwitterung des Gesteins.
Entwicklung:
Die Bodenbildung im Taunusvorland hat vor etwa 65 Millionen Jahren (Tertiär) begonnen. In dieser Zeit herrschte in Mitteleuropa ein tropenähnliches Klima. Hohe Niederschläge und extreme Temperaturen führten zu intensiver Gesteinsverwitterung.
Das so entstandene, tonhaltige Material war die Grundlage für die vor etwa 2,6 Millionen Jahren beginnende Bodenentwicklung im Eiszeitalter (Pleistozän). In den jeweiligen Kaltzeiten war der Untergrund die längste Zeit im Jahr tiefgründig gefroren und taute nur in den kurzen Sommern oberflächennah auf. Während der Frostwechsel wurde zeitgleich feiner Staub (Löss) aus den Flussniederungen angeweht und mit den obersten Gesteinsschichten vermischt. Dieses Gemisch war das Ausgangsmaterial für die Entwicklung des Bodens in der Fasanerie.
Mit Beginn der jetzigen Warmzeit (Holozän) setzte eine überwiegend chemische Verwitterung ein, die zur Neubildung von Eisenoxiden und Tonmineralen im Boden führte. Das kennzeichnende Mineral ist ein Eisenoxid (Goethit), das sich fein verteilt im Unterboden (Bv-Horizonte) findet und mit seiner Farbe der Braunerde ihren Namen gibt.
Verbreitung:
Die Braunerde ist im gemäßigt-humiden Klima ein weit verbreiteter Bodentyp. Braunerden finden sich über nahezu allen Gesteinen. In Hessen reicht das Spektrum der Ausgangsmaterialien von Flugsanden bis zu Gesteinsschutt wie in der Fasanerie in Wiesbaden.
Potenziale:
Die Eigenschaften der Braunerden hängen stark vom jeweiligen Ausgangsmaterial ab. Die Böden aus Gesteinszersatz mit geringen Lössanteilen sind nährstoffarm und daher heute nur noch selten unter ackerbaulicher Nutzung. So handelt es sich auch bei den Böden im Gebiet der Fasanerie eher um Wald- oder Grünlandstandorte.
Gefährdung:
Die Braunerden im Taunusvorland waren früher vielfach ackerbaulich genutzt und daher erosionsgefährdet. Zunehmende Sozialbrache und Grünlandnutzung grenzen die Bodengefährdung durch Erosion ein. Dieser Bodentyp wird wegen seiner eingeschränkten Nutzungsfähigkeit und weiten Verbreitung heute nicht hoch in Wert gesetzt. Gefahr droht den Braunerden besonders in Siedlungsnähe; hier werden sie vielfach überbaut oder aufgrund von Infrastrukturmaßnahmen versiegelt.
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