Kolluvisol am Gladbacherhof

© HLUG
Bezeichnend für den Kolluvisol ist das sogenannte Kolluvium, ein junges Bodensediment (Solumsediment), das aus höher liegendem Gelände auf den jetzigen Standort geschwemmt wurde.
Unter einem geringmächtigen, humosen Oberboden (Ah) folgt ein mächtiger Bodenhorizont aus umgelagertem Solumsediment. Das obere Bodenmaterial (M1) stammt von den ebenen Flächen weit oben am Hang (Parabraunerde) und wurde später aufgelagert, während das untere Material (M2) bereits vorher und aus der nächsten Hangumgebung angeschwemmt wurde (Braunerde). Die Ablagerungen sind relativ jung, so dass in diesem Mineralboden bisher keine weitere Bodenentwicklung (Bodengenese) stattgefunden hat. Der erhöhte Humusgehalt, der aus dem umgelagerten Bodenmaterial stammt, ist erkennbar. Unter dem Solumsediment folgt der ursprüngliche Boden (Hangschutt-Braunerde) mit humosem Oberboden (II M - fAh) und verbrauntem Unterboden (II M - fBv).
Entwicklung
Kolluvisole entstehen dort, wo sich von Wind und Wasser abgetragenes Bodenmaterial (Solumsedimente) wieder ablagert. In unserem gemäßigt-humiden Klima fand unter bestehender Vegetation keine nennenswerte Bodenerosion statt. Erst durch das Sesshaftwerden der Menschen vor etwa siebentausend Jahren (Neolithikum), der damit verbundenen Rodung von Wäldern und der folgenden ackerbaulichen Flächennutzung wurde die Bodenerosion in Gang gesetzt.
Erosion und damit Sedimentation vollziehen sich phasenweise und oft in Schichten von nur Millimeterdicke. Auf dem jeweils letzten Sediment wird mit jedem neuen Erosionsprozess weiteres Material aufgelagert.
Kolluvisole werden den anthropogenen Böden zugeordnet. Das heißt, dass ein ursprünglich vorhandener Boden durch menschliche Eingriffe verändert - hier überlagert - wurde.
Verbreitung
Kolluvisole sind in allen Kulturlandschaften verbreitet. Aufgrund ihrer Entstehung sind sie vor allem an Unterhängen und in Senken zu finden.
Potenziale
Kolluvisole ähneln ihren Ausgangsböden. Sie sind locker gelagert, humos sowie nährstoffreich und werden daher häufig ackerbaulich genutzt. Viele landwirtschaftliche Flächen sind sogar erst durch eine Kolluviumbildung ackerfähig geworden.
Kolluvisole unter Wald belegen den Nutzungswechsel von der Land- zur Forstwirtschaft.
Gefährdung
Durch den Abbau von Humus werden aus Kolluvisolen verstärkt Minerale freigesetzt. Dieser Prozess kann zu erhöhtem Nitrataustrag und damit zu Grundwasserbelastungen führen.
Kolluvisole in Senken neigen zur Übernässung.
Startseite
