Lockerbraunerde auf dem Hoherodskopf

Als Lockerbraunerde bezeichnet man einen Boden, in dem - wie auch bei der gewöhnlichen Braunerde - durch Materialverwitterung Tonminerale und Eisenoxide neu gebildet wurden, die mit ihrer rötlich braunen Farbe zur Namensgebung des Bodens beitragen.
Das Besondere der Lockerbraunerde ist der hohe Anteil feiner, vulkanischer Minerale (Laacher-See-Tephra). Sie verleihen diesem Bodentyp ein besonders stabiles Gefüge bei gleichzeitig geringem Raumgewicht (< 1 kg/dm³, das heißt leichter als Wasser). Böden im Wald sind unter natürlichen Bedingungen ganzjährig mit einer Streuauflage (L) bedeckt. Die Lockerbraunerde bietet Bodenlebewesen ideale Bedingungen, so dass die Streu schnell zersetzt, in Humus umgewandelt und in den Mineralboden eingemischt wird. Die Humushorizonte (Of und Oh) sind daher nur gering mächtig. In der Folge ist der humose Oberboden (Ah) als Mischhorizont aus Humus und Mineralboden bei Lockerbraunerden mächtiger als bei den Braunerden. Der Unterboden der Lockerbraunerde entsteht durch Gesteinsverwitterung, Lösseintrag und Mineralneubildung. Der obere Horizontbereich (Bfv) ist hier aufgrund des hohen Eintrages an Laacher-See-Tephra besonders locker (Dichte < 1 g/dm³). Der untere Bereich (II Bv) lässt deutlich gröbere Bestandteile erkennen. Der sichtbare Untergrund (III il Cv) besteht aus verwittertem Basalt.
Entwicklung:
Die Lockerbraunerden auf dem Hoherodskopf sind auf dem anstehenden Basaltgestein entstanden. Sie finden sich vor allem in hoch gelegenen, eher ebenen Reliefpositionen. Von wesentlicher Bedeutung für diese Bodenentwicklung war das vor etwa 2 Millionen Jahren beginnende Eiszeitalter (Pleistozän). In den temporären Kaltzeiten war der Untergrund lange Zeit im Jahr tief gehend gefroren und taute nur in den kurzen Sommern an der Oberfläche auf. Die ständigen Wechsel zwischen Gefrieren und Auftauen führten zur physikalischen Verwitterung (Frostsprengung) des anstehenden Vulkangesteins. Zeitgleich wurde aus den Flussniederungen feiner Staub (Löss) angeweht und während der Frostwechsel mit den oberen Bodenschichten vermischt. Dieses Gemisch war Ausgangsmaterial für die hiesige Bodenentwicklung. In die gleiche zeitliche Phase fiel der Eintrag größerer Mengen Laacher-See-Tephra. Die Beimischung dieser feinkörnigen Vulkanaschen, vom Wind aus der Eifel bis hierher geweht, trug wesentlich zum Aufbau des besonders lockeren Bodengefüges bei. In der aktuellen Warmzeit (Holozän) setzte eine vorwiegend chemische Verwitterung ein, die zur Neubildung von Eisenoxiden und Tonmineralen im Boden führte. Beides Bestandteile, die zur charakteristischen Färbung des Unterbodens (Bv-Horizonte) führen.
Verbreitung:
Die Lockerbraunerde ist ein Subtyp der Braunerde und entsteht bevorzugt in gemäßigt-humiden Klimazonen. Die Ausgangsmaterialien sind Gesteinsschutte mit einem hohen Anteil vulkanischer Aschen.
Potenziale:
Lockerbraunerden tendieren zu geringer Basensättigung und somit zu sehr sauren Bodenreaktionen. Aufgrund ihres idealen Porenraumvolumens besitzen sie jedoch einen hervorragenden Luft- und Wasserhaushalt. Diese bodenphysikalischen Eigenschaften eignen sich eher für die forstliche als für eine landwirtschaftliche Nutzung.
Gefährdung:
Die Lockerbraunerden im Vogelsberg sind aufgrund hoher Niederschläge, niedriger Jahresmitteltemperaturen und des basenarmen Ausgangsgesteins anfällig für Bodenversauerung.
Anthropogene Zusatzbelastungen, wie etwa diffuse Schadstoffeinträge durch die Luft, beschleunigen die Bodenversauerung und führen langfristig zu einer Verschlechterung der Standorteigenschaften.
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