Parabraunerde-Kolluvisol in Mechtildshausen

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Als Parabraunerde-Kolluvisol wird ein Boden bezeichnet, bei dem verlagertes Bodenmaterial (Kolluvium) in größerer Mächtigkeit eine Parabraunerde überdeckt.
Das Schauprofil in Mechtildshausen liegt in einem ehemaligen Angewende (Feldstück zum Wenden des Pfluges), das inzwischen begrünt und mit Obstbäumen bepflanzt ist. Im Oberboden ist hier einen Ah-Horizont ausgebildet, der intensiv von Graspflanzen durchwurzelt ist. Darunter findet sich bis 50 cm Tiefe das Kolluvium (M), das durch das Umschlagen und Abstreifen des Pfluges beim Wenden am Rande des Feldes angehäuft wurde. Das Kolluvium ist schwach humos, da es sich um ehemalige Ackerkrume handelt.
Anschließend folgt der ursprüngliche Boden - die Parabraunerde - ein Bodentyp, bei dem das Sickerwasser Tonminerale und Eisenoxide nach unten verlagert hat. Der übliche, an Ton und Eisenoxiden verarmte, aufgehellte Al-Horizont ist hier erosiv abgetragen und fehlt im Profil. Der mit Ton angereicherte II Bt-Horizont ist an der typischen, kräftig braunen Färbung bis in eine Tiefe von 110 cm gut zu erkennen. Der tonreiche Unterboden hemmt die Versickerung des Niederschlagswassers und fördert somit die Staunässe. Hinweise darauf liefern die schwarzen und rostbraunen Schlieren, die auf die Oxidation von Mangan und Eisen zurückzuführen sind.
Die Parabraunerde reicht bis etwa 110 cm Tiefe, darunter folgen kalkhaltige Kiese und Sande (III elCn) aus der Zeit der ältesten Ablagerungen des Rheins.
Entwicklung:
Eine Voraussetzung für die Entstehung der Parabraunerde in den gemäßigten Breiten war das Eiszeitalter (Pleistozän), das durch zahlreiche Vereisungsphasen gekennzeichnet war. Damals änderten die Flüsse in ausgedehnten Tälern häufig ihren Lauf und bildeten so breite Kies- und Sandbänke aus, die besonders während trockener Perioden zu Staubquellen wurden. Der Staub wurde mit dem Wind davongetragen und lagerte sich auf höher gelegenen Flächen in zum Teil mehrere Meter mächtigen Decken ab. Die Ablagerung des sehr feinkörnigen, ocker-gelben und kalkhaltigen Flugstaubes ist als Löss bekannt.
Nach dem Klimawechsel in die heutigen Warmzeit (Holozän) führten Niederschläge dazu, dass aus den oberen Bodenzonen zunächst Kalk ausgewaschen wurde. Die Entkalkung hatte eine schwache Bodenversauerung zur Folge, die ihrerseits die Bildung und Verlagerung von Tonmineralen und Eisenoxiden in Gang setzte und so zum typischen Erscheinungsbild der Parabraunerde führte.
Die Mächtigkeit der Parabraunerden beträgt im Rhein-Main-Gebiet etwa 100 – 120 cm. Die intensive ackerbauliche Nutzung setzte auf diesen Böden bereits vor mehr als 7000 Jahren ein, was vielerorts zu erheblichen Bodenbeeinträchtigungen führte. Im vorgestellten Profil wurde der Oberboden in früherer Zeit erodiert und später durch landwirtschaftlichen Geräteeinsatz Bodenmaterial als Kolluvium wieder aufgetragen.
Verbreitung:
Parabraunerde aus Löss ist ein weit verbreiteter Bodentyp in gemäßigt-humiden Klimazonen aus meist kalkhaltigem Lockergestein. Großflächig verbreitet sind Lössböden im Nordamerikanischen Weizengürtel und in den Steppen Osteuropas und Asiens. Hessische Verbreitungsgebiete sind die Wetterau, das Rhein-Main-Gebiet und die nordhessischen Senken.
Potenziale:
Die herausragenden Eigenschaften der Parabraunerden aus Löss, und wie hier gar mit kolluvialer Überdeckung, sind ihre vorzügliche Fähigkeit der Wasserspeicherung, die tiefgründige Durchwurzelbarkeit, das hohe natürliche Nährstoffangebot und eine ausgeprägte Filter- und Bindefähigkeit in Hinblick auf eingetragene Stoffe. Parabraunerde-Kolluvisol ist sehr gut düngefähig und erbringt unter dem aktuellen Klima hervorragende Ertragsleistungen.
Gefährdung:
Infolge ihrer seit Jahrtausenden intensiven Nutzung finden sich inzwischen fast nur noch Erosionsformen dieser Böden. Parabraunerden neigen aufgrund ihres hohen Feinkornanteils (Schluff) zur Verschlämmung, so dass bereits in flachen Hanglagen Erosion einsetzt.
Parabraunerden kommen großflächig in weiten, ebenen Landschaften vor. Traditionell weiten sich hier auch bevorzugt Siedlungs- und Gewerbegebiete mitsamt ihren Flächen verbrauchenden Infrastruktureinrichtungen aus, so dass unsere wertvollsten Ackerböden zunehmend versiegelt und zerstört werden.
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