Pseudogley im Hessenpark

Der Pseudogley ist ein von Stauwasser stark beeinflusster Boden und durch den Wechsel von Vernässung und Austrocknung gekennzeichnet.
Der ehemals nur wenige Zentimeter mächtige natürliche humose Oberboden ist durch Pflügen auf etwa 30 cm vertieft (Ap). Darunter folgt, für den Pseudogley typisch, ein wasserdurchlässiger, gebleichter und fleckiger Horizont (Sw) mit anschließendem, weitgehend dichtem Unterboden (Sd). Der wasserstauende Unterboden ist geprägt von einer rötlichen bis rostbraunen Marmorierung, die mit hellen Flecken und Streifen durchsetzt ist. Die weißlichen Bleichbahnen kennzeichnen die Versickerungswege des Bodenwassers.
Entwicklung:
Der Pseudogley entwickelt sich unter der Einwirkung von Staunnässe. Die Staunässe entsteht aufgrund einer verdichteten Bodenschicht, die die Versickerung von Niederschlagswasser hemmt. Die Entwicklung der wasserleitenden und wasserstauenden Horizonte kann verschiedene Ursachen haben. In dieser Region begann die Bodenentwicklung vor etwa 65 Millionen Jahren (Tertiär) und hat mehrere Stadien durchlaufen. Die damaligen, tropischen Klimabedingungen ließen den anstehenden Schiefer zu nährstoffarmen Tonböden verwittern. Bereits in dieser Zeit und im folgenden Quartär mit seinen zahlreichen Vereisungsphasen wurden die entstandenen Böden großteils wieder abgetragen und schließlich feiner Staub (Löss) angeweht, der sich im Laufe der Frostwechsel mit der oberen Bodenschicht vermischte. Die Klimaverhältnisse der jetzigen Warmzeit mit zunehmenden Niederschlagsmengen führten zu einer Tonmineralverlagerung vom Ober- in den Unterboden. Der verlehmte Unterboden in Verbindung mit den tonhaltigen Resten der tropischen Böden im tieferen Untergrund bildet hier den für den Pseudogley charakteristischen, wasserstauenden Horizont.
Verbreitung:
Der Pseudogley ist ein weit verbreiteter Bodentyp in regenreichen Klimazonen. Im gemäßigt-humiden Klima können sich diese Böden dort entwickeln, wo zur Verlehmung neigende Ausgangsgesteine anstehen und entsprechend hohe Niederschläge fallen.
Potenziale:
Aufgrund der wechselnden Nass- und Trockenphasen sind Pseudogleye für den Ackerbau oder die gartenbauliche Nutzung wenig geeignet. Sie werden auch als „Stundenböden“ bezeichnet, da sie nur zu bestimmten Zeiten und auch nur kurzfristig den zum Landbau geeigneten Wassergehalt aufweisen. In früheren Zeiten wurden solche Böden zur Bewirtschaftung oft entwässert. Heute wird dieser Bodentyp bevorzugt als Grünland genutzt. Die Nutzung von Pseudogley ist auch unter Forst problematisch, da viele Baumarten unter der zeitweiligen Luftarmut in den Nassphasen und den eher niedrigen Bodentemperaturen leiden. Da der verdichtete Stauhorizont zudem die Durchwurzelung hemmt, sind Baumbestände auf diesen Böden stark Windwurf gefährdet.
Gefährdung:
Wird der Pseudogley im Rahmen landbaulicher Nutzung bearbeitet, neigt dieser Boden zu fortschreitender Verdichtung, die dann ihrerseits zu weiteren Nutzungseinschränkungen führt.
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