Oberflächengebundene Aktivität

Das HLUG führt an verschiedenen Messorten in Hessen Messungen der Gammastrahlung durch, die durch künstliche und natürliche Radionuklide im Boden und an der Bodenoberfläche hervorgerufen wird. Dies findet auf Sportplätzen und Wiesen bzw. Weiden statt, weil hier der Boden über einen längeren Zeitraum unbearbeitet bleibt und somit die an der Oberfläche abgelagerten Aktivitätseinträge direkt ermittelt werden können. Diese Messungen werden als Vor-Ort-bzw. In-Situ-Messungen bezeichnet, um sie von den Messungen zu unterscheiden, bei denen Bodenproben entnommen und im Labor analysiert werden.

 

Bei diesen Vor-Ort-Messungen wird zwischen dem Normal- und dem Intensivbetrieb unterschieden.

 

Im Normalbetrieb werden jährlich an dreißig Messorten in Hessen energiedispersive Messungen der lokalen Gammastrahlung durchgeführt. Diese Messpunkte sind möglichst gleichmäßig über das Bundesland verteilt. Dabei wird darauf geachtet, dass etwa die Hälfte der Messpunkte sich in unmittelbarer Nähe einer kontinuierlich messenden Sonde des BfS befindet, damit die Messdaten dieser Sonde, bei der lediglich die Dosis gemessen wird, um Informationen über die Art der strahlenden Nuklide ergänzt werden. Die Messwerte aus dem Normalbetrieb geben das aktuelle Grundniveau der radioaktiven Strahlung wieder. Zugleich dienen sie als Ausgangsmesswerte, um im Falle eines strahlenschutzrelevanten Ereignisses feststellen zu können, ob und in welchem Ausmaß sich radioaktives Material abgelagert hat.

Im Falle eines solchen Ereignisses (z.B. einer störfallbedingten Aktivitätsfreisetzung) wird die Zahl der Messungen erhöht und auch ggf. das Messnetz verdichtet, um die betroffenen Gebiete erkennen und Schutzmaßnahmen einleiten zu können. Dies wird als Intensivbetrieb bezeichnet.

 

Als Messergebnisse erhält man Daten über Art und Aktivität der im Boden bzw. an der Bodenoberfläche vorhandenen gamma-strahlenden Radionuklide sowie die zugehörigen Dosisleistungen. In der auszugsweisen Darstellung der Messergebnisse {siehe Internetadressen ...} sind lediglich die Ergebnisse für Kalium-40 und Cäsium-137 dargestellt. Das erstgenannte Nuklid steht stellvertretend für die natürlich vorkommenden und das zweite für die künstlichen erzeugten Radionuklide. Um ein Bild für die Größenordnung der gemessenen Dosisleistungen zu haben, sei darauf hingewiesen, dass der Mittelwert der Gamma-Ortsdosisleistung, die durch natürlich vorkommende Radionuklide in Baumaterialien verursacht wird, in Gebäuden bei 80 Nanosievert pro Stunde liegt.

 

Alle Messwerte werden an das Bundesamt für Strahlenschutz weiter geleitet.

Die Aktivitäten von Nukliden, die nur Alpha- oder Betastrahlung abgeben, können bei den Vor-Ort-Messungen nicht bestimmt werden, da die Reichweite dieser Strahlung in Luft zu gering ist. Stattdessen werden diese Nuklide nach der Entnahme von Bodenproben und einer Probenaufbereitung im Labor bestimmt.

 

Die Messtechnik wird an anderer Stelle beschrieben.

 
 
Letzte Änderung: 20.10.2010