Fließgewässer - Biologie
Die Struktur und Ökologie der Fließgewässer wird geprägt durch den Abfluss und die Abflussdynamik, durch das Gefälle und das vorherrschende Substrat sowie durch die Licht- und Temperaturverhältnisse. Abwassereinleitungen und andere Stoffeinträge aus punktförmigen und diffusen Quellen sowie Veränderungen der Gewässerstruktur und Querverbauungen verändern die physikalischen und chemischen Bedingungen. Aufgrund der vielfältigen Wechselwirkungen und Abhängigkeiten wird so wiederum die Fauna und Flora direkt und/oder indirekt beeinträchtigt.
Zur Untersuchung der Biologie der Bäche und Flüsse in Hessen besteht ein eigenes Netz von Untersuchungsstellen. Die biologischen Parameter liefern - im Vergleich zu den chemisch-physikalischen Parametern - eher ein zeitlich integriertes Bild des ökologischen Zustandes, obwohl die Untersuchungen in größeren zeitlichen Abständen erfolgen.
Biologische Gewässergüte
Eines der ältesten Verfahren zur Beschreibung der "biologischen Gewässergüte" ist das Saprobiensystem, welches vor allem Beeinträchtigungen von Fließgewässern durch biologisch leicht abbaubare Stoffe und sich hieraus ergebende Defizite des Sauerstoffhaushaltes aufzeigt.
Aufgrund ihres unterschiedlichen Sauerstoffbedarfs eignen sich die Fischnährtiere gut, um anhand ihres Vorkommens Rückschlüsse auf die jeweilige Gewässergüteklasse zu ziehen. Hinsichtlich der Sauerstoffverfügbarkeit besonders anspruchsvoll sind beispielsweise die Steinfliegen und viele Eintagsfliegenlarven; hingegen können Wasserasseln oder verschiedene Egel auch noch bei zum Teil erheblichen Sauerstoffdefiziten im Gewässer überleben. Bei der Überwachung der Fließgewässer dient die "biologische Gewässergüte" immer als Leitparameter für die Beschaffenheit der Gewässer und lässt sowohl Handlungsbedarf als auch Sanierungserfolge leicht erkennen.
Auf diese Weise wurde für Hessen bereits 1970 die erste Gewässergütekarte erstellt und danach in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Der Vergleich der biologischen Gütekarten aus den Jahren 1970, 1976, 1986, 1994, 2000, 2006 und nun 2010 dokumentiert dabei zum einen die enormen Erfolge der Vergangenheit, weist jedoch auch auf noch bestehende Defizite hin.
Als erstes Bundesland hat das Land Hessen eine Gewässergütekarte gemäß den Anforderungen an die europäische Wasserrahmenrichtlinie erstellt, d.h. es werden nun 5 Klassen (sehr gut, gut, mäßig unbefriedigend schlecht) unterschieden und der Maßstab der Bewertung orientiert sich am natürlichen Zustand der einzelnen Bäche und Flüsse. Dadurch haben sich die Anforderungen erhöht - heute befinden sich 78% der untersuchten hessischen Fließgewässer in einem guten bis sehr guten Zustand. Das heißt, sie sind von leicht abbaubaren organischen Stoffen weitgehend unbelastet. Allerdings besteht noch auf einer Gesamtlänge von 1.780 km ein Handlungsbedarf zur Minderung der organischen Belastung.
Die Gewässergütekarte nebst einem ausführlichen Bericht finden Sie in der rechten Spalte unter "Downloads".
Ökologischer Zustand gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)
Der ökologische Zustand eines Fließgewässers ist aber nicht nur von der "biologischen Gewässergüte" (im o.g. Sinn) abhängig. Vielmehr wird dieser anhand der dort anzutreffenden Flora (Wasserpflanzen und Kieselalgen, planktische Algen) und Fauna (Fischnährtiere und Fische) beurteilt. Dabei wird geprüft, wie stark die gesamte Lebensgemeinschaft von der eines vergleichbaren, unbelasteten Gewässers abweicht.
Zudem wird berücksichtigt, dass jedes Gewässer im natürlichen Zustand charakteristische Lebensgemeinschaften aufweist - ein Mittelgebirgsbach im Taunus beherbergt beispielsweise andere Arten als der Rhein. Die WRRL gibt daher vor, dass alle Gewässer verschiedenen Typen zugeordnet werden und ihre ökologische Bewertung dann für die verschiedenen Typen entsprechend unterschiedlich erfolgt.
Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie untersucht regelmäßig die Fauna und Flora der Gewässer. Die Ergebnisse sind im Einzelnen im WRRL-Viewer
einsehbar.
Ausführliche Informationen zur Überwachung und Bewertung finden sich unter www.flussgebiete.hessen.de
-> Bewirtschaftungsplanung -> Monitoring.
Kartographische Darstellungen sind dem Kapitel 4 und den Anhängen des Bewirtschaftungsplans zu entnehmen.
Gewässerstruktur
Die Gewässerstrukturgüte zeigt an, inwieweit ein Bach oder Fluss in der Lage ist, sein Bett auf natürliche Weise zu entwickeln und typischen Pflanzen und Tieren Lebensraum zu bieten. 1995 bis 1998 ließ Hessen als erstes Bundesland seine Gewässerstruktur flächendeckend kartieren. Seitens des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie erfolgt eine Nachkartierung von renaturierten Abschnitten, so dass die im Gewässerstrukturgüte - Informationssystem dargestellte morphologische Beschaffenheit regelmäßig aktualisiert wird.
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